Mit Windelfrei oder Abhalten kann man direkt nach der Geburt beginnen. Man kann aber genauso gut erst einige Monate später starten.
Für viele Eltern stellt sich deshalb irgendwann die Frage:
Macht es finanziell überhaupt noch einen Unterschied, wann wir anfangen?
Die kurze Antwort lautet: Ja.
Wer früher beginnt, hat grundsätzlich mehr Zeit, in der einzelne Einwegwindeln nicht benötigt werden können. Dadurch kann auch die mögliche Ersparnis größer sein.
Aber mindestens genauso wichtig ist die zweite Antwort:
Auch ein späterer Einstieg kann sich noch deutlich bemerkbar machen.
Wir rechnen deshalb einmal durch, welchen Unterschied der Start ab Geburt, mit sechs Monaten, mit einem Jahr oder noch später machen kann.
Wie berechnen wir die mögliche Ersparnis?
Windelfrei lässt sich nicht auf eine exakte Zahl reduzieren. Jedes Baby, jede Familie und jeder Alltag sind unterschiedlich.
Für einen fairen Vergleich brauchen wir deshalb eine einfache Modellrechnung.
Wir nehmen an:
- Die gesamte Windelzeit beträgt ungefähr 30 Monate.
- Ab dem Einstieg wird im Durchschnitt eine Einwegwindel pro Tag tatsächlich nicht benötigt.
- Eine Einwegwindel kostet beispielhaft 0,30 €.
Wichtig ist dabei: Eine gesparte Windel bedeutet niemals, dass ein Baby länger in einer nassen oder verschmutzten Windel bleibt.
Eine Windel gilt in unserer Rechnung nur dann als nicht benötigt, wenn das Baby beispielsweise abgehalten wird und das saubere Backup anschließend weitergetragen werden kann.
Wie eure ganz persönliche Rechnung aussieht, könnt ihr mit unserem Windelkosten Rechner berechnen.
Wie viel könnt ihr sparen, wenn ihr ab Geburt mit Windelfrei beginnt?
Wer direkt nach der Geburt mit Abhalten beginnt, hat theoretisch die längste Zeit, in der einzelne Windeln eingespart werden können.
Bei einer angenommenen Windelzeit von 30 Monaten und durchschnittlich einer tatsächlich nicht benötigten Einwegwindel pro Tag wären das ungefähr:
900 Einwegwindeln weniger.
Bei einem beispielhaften Preis von 0,30 € pro Windel entspricht das:
rund 270 € vermiedenen Windelkosten.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass ein Neugeborenes jeden Tag erfolgreich abgehalten werden muss.
Es zeigt lediglich, wie sich ein kleiner regelmäßiger Unterschied über einen langen Zeitraum summieren kann.
Genau diese Wirkung haben wir auch im Artikel Fast 1.000 Windeln weniger: Was ein einziger Abhaltemoment pro Tag bewirken kann genauer betrachtet.
Wie viel spart ihr bei einem Start mit sechs Monaten?
Vielleicht habt ihr in der Schwangerschaft noch nie von Abhalten gehört.
Vielleicht waren die ersten Monate mit Baby einfach voll genug.
Und dann erfahrt ihr mit fünf oder sechs Monaten zum ersten Mal, dass Babys auch außerhalb der Windel ausscheiden können.
Ist es dann schon zu spät?
Nein.
Bei einem Einstieg mit ungefähr sechs Monaten bleiben in unserer Modellrechnung noch etwa zwei Jahre bis zum Ende der angenommenen Windelzeit.
Eine nicht benötigte Einwegwindel pro Tag ergibt dann ungefähr:
700 Windeln weniger.
Bei 0,30 € pro Windel entspricht das einer möglichen Ersparnis von etwa:
220 €.
Der Unterschied zum Start ab Geburt ist also vorhanden. Trotzdem bleibt auch bei einem späteren Einstieg noch ein erheblicher Teil des möglichen Einsparpotenzials erhalten.
Was spart ein Start mit zwölf Monaten?
Auch nach dem ersten Geburtstag kann Abhalten noch beginnen.
Tatsächlich kann ein Einstieg mit einem älteren Baby in manchen Familien sogar leichter wirken, weil bestimmte Abläufe und Ausscheidungszeiten bereits vertrauter sind.
Wenn ihr mit zwölf Monaten beginnt und durchschnittlich eine Einwegwindel pro Tag nicht benötigt wird, ergibt unsere Modellrechnung ungefähr:
550 Windeln weniger.
Bei 30 Cent pro Windel entspricht das rund:
160 € weniger Windelkosten.
Mehr als 500 Einwegwindeln sind also auch dann noch eine erhebliche Menge.
Wer denkt, Windelfrei müsse unbedingt im Neugeborenenalter begonnen werden, setzt sich deshalb unnötig unter Druck. Auch in unserem Artikel 10 Dinge, die ich gerne vor dem Start mit Windelfrei und Abhalten gewusst hätte gehört genau dieser Punkt zu den wichtigsten Erkenntnissen.
Lohnt sich Windelfrei auch noch mit 18 oder 24 Monaten?
Ja.
Die mögliche finanzielle Ersparnis wird mit zunehmendem Alter natürlich kleiner, weil weniger Windelzeit übrig bleibt.
Aber kleiner bedeutet nicht bedeutungslos.
Bei unserer Modellrechnung ergibt sich:
| Start mit Windelfrei | Möglicherweise nicht benötigte Windeln | Ersparnis bei 0,30 € pro Windel |
|---|---|---|
| ab Geburt | ca. 900 | ca. 270 € |
| mit 6 Monaten | ca. 700 | ca. 220 € |
| mit 12 Monaten | ca. 550 | ca. 160 € |
| mit 18 Monaten | ca. 350 | ca. 110 € |
| mit 24 Monaten | ca. 180 | ca. 55 € |
Die Zahlen sind bewusst gerundete Modellwerte.
Sie zeigen aber sehr schön:
Je früher ihr beginnt, desto größer ist grundsätzlich das mögliche Sparpotenzial. Aber es gibt keinen Zeitpunkt, ab dem sich ein Einstieg plötzlich nicht mehr lohnt.
Warum spart ein früher Start theoretisch mehr Geld?
Der Grund ist eigentlich ganz einfach.
Es geht nicht darum, dass Eltern mit einem Neugeborenen automatisch erfolgreicher abhalten.
Sie haben lediglich mehr Tage vor sich, an denen ein Abhaltemoment dazu führen kann, dass eine Einwegwindel nicht benötigt wird.
Eine einzelne Windel kostet vielleicht nur 20, 30 oder 40 Cent.
Über Hunderte Tage werden daraus aber Hunderte Windeln.
Genau deshalb ist bei Windelkosten nicht nur der Preis einer Packung entscheidend, sondern auch die gesamte Dauer der Nutzung.
Wie groß diese Beträge über die komplette Windelzeit werden können, zeigen wir ausführlich in Was kosten Windeln bis zum Trockenwerden wirklich?.
Ist der finanzielle Vorteil beim Start ab Geburt garantiert?
Nein.
Unsere Rechnung zeigt ein mögliches Einsparpotenzial und kein Sparversprechen.
Windelfrei funktioniert nicht jeden Tag gleich.
Manchmal passt ein Abhaltemoment wunderbar. Manchmal wird das Signal erst bemerkt, nachdem die Windel bereits nass ist. Manchmal ist unterwegs gerade keine Gelegenheit. Und manchmal haben Eltern oder Kind einfach keine Lust darauf.
Das alles gehört dazu.
Deshalb ist es sinnvoller, Windelfrei nicht als tägliche Sparaufgabe zu betrachten.
Die Rechnung zeigt vielmehr, was kleine Veränderungen über längere Zeit bewirken können.
Was passiert, wenn ihr nicht jeden Tag eine Windel spart?
Auch dann kann sich etwas summieren.
Vielleicht funktioniert Abhalten bei euch nur an drei Tagen in der Woche.
Oder vielleicht gibt es nur morgens einen Moment, der besonders gut passt.
Das ist völlig in Ordnung.
Windelfrei muss nicht vollständig sein.
Bei Teilzeit Windelfrei geht es genau darum: einzelne Situationen zu nutzen, die gut in euren Alltag passen, und ansonsten weiterhin eine Windel als Backup zu verwenden.
Auch drei tatsächlich nicht benötigte Einwegwindeln pro Woche werden über Monate zu einer beachtlichen Menge.
Ist ab Geburt deshalb der beste Zeitpunkt für Windelfrei?
Rein mathematisch bietet ein früher Einstieg das größte mögliche Sparpotenzial.
Aber das bedeutet nicht automatisch, dass er für jede Familie der beste Zeitpunkt ist.
Der beste Zeitpunkt ist derjenige, an dem ihr euch bereit fühlt, es auszuprobieren.
Vielleicht ist das am dritten Lebenstag.
Vielleicht nach sechs Wochen.
Vielleicht mit acht Monaten.
Oder erst nach dem ersten Geburtstag.
Abhalten ist keine Frist, die ihr verpassen könnt.
Wenn ihr noch gar nicht genau wisst, was Abhalten bedeutet, findet ihr auf unserer Seite Was ist Abhalten? einen einfachen Überblick.
Kann ein später Einstieg sogar Vorteile haben?
Ja, durchaus.
Bei einem älteren Baby oder Kleinkind kennen Eltern häufig schon viele typische Abläufe.
Vielleicht wisst ihr bereits:
- Nach dem Aufwachen kommt fast immer eine Ausscheidung.
- Nach dem Frühstück ist ein typischer Zeitpunkt.
- Euer Kind wird vorher plötzlich unruhig.
- Es unterbricht sein Spiel oder zieht sich zurück.
Solche wiederkehrenden Situationen können den Einstieg erleichtern.
Ein später Start ist deshalb nicht automatisch schwieriger. Er ist einfach anders.
Was ist wichtiger als der Zeitpunkt?
Viel wichtiger als die Frage, ob ihr ab Geburt oder erst später beginnt, ist, ob Abhalten langfristig zu eurem Alltag passt.
Ein hoch motivierter Start mit zehn Abhalteversuchen am Tag bringt wenig, wenn ihr nach einer Woche entnervt aufhört.
Ein einziger entspannter Moment, der sich über Monate etabliert, kann dagegen erstaunlich viel bewirken.
Genau deshalb empfehlen wir für den Einstieg häufig ganz einfache Situationen:
- nach dem Aufwachen
- beim Windelwechsel
- nach dem Stillen oder Füttern
- bei einem deutlich erkennbaren Signal
Es geht nicht darum, möglichst viele Ausscheidungen zu erwischen.
Es geht darum, einen Weg zu finden, der sich für euch gut anfühlt.
Wie könnt ihr eure eigene Ersparnis berechnen?
Vielleicht kostet eure Einwegwindel nicht 30 Cent, sondern 18 Cent.
Vielleicht verwendet ihr teurere Ökowindeln oder Pants.
Vielleicht möchtet ihr nicht mit einer, sondern mit zwei tatsächlich nicht benötigten Windeln pro Tag rechnen.
Genau dafür gibt es unseren Windelkosten Rechner.
Dort könnt ihr selbst eintragen:
- wie viele Windeln ihr täglich verwendet
- was eine Windel kostet
- wie lange ihr voraussichtlich noch wickelt
- wie viele Einwegwindeln durch Abhalten tatsächlich nicht benötigt werden
So bekommt ihr keine allgemeine Beispielrechnung, sondern eine Größenordnung, die zu eurem Alltag passt.
Jetzt persönliche Windelkosten und mögliche Ersparnis berechnen
Wie könnt ihr mit Windelfrei anfangen?
Ihr müsst dafür nicht komplett auf Windeln verzichten und ihr braucht auch keine perfekte Vorbereitung.
Für den ersten Versuch könnt ihr die Windel verwenden, die ihr ohnehin benutzt.
Ihr öffnet sie in einem passenden Moment, haltet euer Baby über ein Waschbecken, ein Töpfchen oder die Toilette und schaut einfach, was passiert.
Wenn das Abhalten häufiger Teil eures Alltags wird, können schnell zu öffnende Kleidung und wiederverwendbare Backups vieles einfacher machen.
Wenn ihr noch ganz am Anfang steht, könnt ihr euch unseren kostenlosen Startguide zum Abhalten holen. Er ist sowohl für Eltern mit Neugeborenen als auch für Familien geeignet, die erst mit einem älteren Baby beginnen.
Was ist also günstiger: ab Geburt oder später beginnen?
Rein finanziell gilt:
Je früher ihr mit Abhalten beginnt, desto größer kann die mögliche Ersparnis sein.
Wer ab Geburt durchschnittlich eine Einwegwindel pro Tag tatsächlich nicht benötigt, könnte über eine angenommene Windelzeit von 30 Monaten rund 900 Windeln vermeiden.
Wer erst mit zwölf Monaten beginnt, kommt in derselben Modellrechnung immer noch auf rund 550 Windeln.
Und selbst ein Einstieg mit zwei Jahren kann noch einen Unterschied machen.
Die wichtigste Erkenntnis ist deshalb vielleicht gar nicht, dass ein früher Start mehr spart.
Sondern:
Es ist nicht zu spät, nur weil ihr nicht ab Geburt begonnen habt.
Ihr könnt heute anfangen.
Mit einem einzigen Moment.
Ohne Druck.
Und ohne daraus ein neues Projekt machen zu müssen.
Was könnt ihr als Nächstes lesen?
- Windelkosten Rechner: Berechnet eure persönlichen Kosten
- Was kosten Windeln bis zum Trockenwerden wirklich?
- Fast 1.000 Windeln weniger: Was ein Abhaltemoment pro Tag bewirken kann
- Teilzeit Windelfrei: Warum auch einzelne Momente zählen
- Ökobilanz von Einwegwindeln, Stoffwindeln und Windelfrei
Häufige Fragen zum Startzeitpunkt von Windelfrei
Kann man Windelfrei direkt ab Geburt machen?
Ja. Abhalten kann grundsätzlich bereits bei einem Neugeborenen beginnen. Eine Windel kann dabei weiterhin als Backup verwendet werden. Es ist nicht notwendig, vollständig auf Windeln zu verzichten.
Kann man mit Windelfrei auch erst mit sechs Monaten beginnen?
Ja. Es gibt keine feste Altersgrenze für den Einstieg. Auch mit sechs Monaten, einem Jahr oder später können Eltern beginnen, einzelne Abhaltemomente in ihren Alltag einzubauen.
Spart Windelfrei automatisch Geld?
Nein. Geld wird nur dann gespart, wenn durch das Abhalten tatsächlich eine Einwegwindel nicht benötigt wird. Eine nasse oder verschmutzte Windel länger zu tragen, zählt ausdrücklich nicht als Ersparnis.
Wie viel Geld kann Windelfrei sparen?
Das hängt vom Stückpreis der Windeln, der verbleibenden Windelzeit und der Zahl der tatsächlich nicht benötigten Einwegwindeln ab. Bei einer Windel weniger pro Tag und einem Preis von 0,30 € können sich über längere Zeit einige hundert Euro summieren.
Ist es irgendwann zu spät, mit Windelfrei anzufangen?
Nein. Ein früher Einstieg bietet zwar mehr Zeit und damit theoretisch mehr Einsparpotenzial. Abhalten kann aber auch mit einem älteren Baby oder Kleinkind begonnen werden.
```








