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Baby unverpackt: Was die SRF Doku über Abhalten, Windeln und Babys zeigt
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Baby unverpackt: Was die SRF Doku über Abhalten, Windeln und Babys zeigt

Am 17. September 2026 zeigte SRF die Dokumentation „Baby unverpackt – Weniger Windeln, weniger Probleme?“ von Isabella Sedivy. Der rund 50 Minuten lange Film stellt eine Frage, die im westlichen Babyalltag erstaunlich selten gestellt wird: Müssen Babys ihre Ausscheidungen eigentlich immer in eine Windel machen – oder können Eltern schon früh wahrnehmen, wann ihr Baby Pipi oder Stuhlgang muss?

Die Dokumentation führt unter anderem in die Schweiz, nach China und Tansania, begleitet eine Familie beim Abhalten und lässt Fachpersonen wie die Entwicklungspädagogin Rita Messmer sowie Kinderärzte zu Wort kommen.

Isabella Sedivy hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Nach eigenen Angaben arbeitete sie rund fünf Jahre an der Dokumentation. Ausgangspunkt war unter anderem ihre Begegnung mit Rita Messmer und die Frage, ob unser heutiger Umgang mit Windeln tatsächlich so selbstverständlich ist, wie er uns erscheint.

Genau diese Frage finden wir bei Mata Origin besonders spannend:

Was wir heute für selbstverständlich halten, war es nicht immer.

Und vielleicht lohnt es sich deshalb, Ausscheidungen bei Babys einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten – ohne Windeln grundsätzlich abzulehnen und ohne aus Abhalten ein neues Elternprojekt zu machen.

„Baby unverpackt“ auf einen Blick

Titel Baby unverpackt – Weniger Windeln, weniger Probleme?
Film Isabella Sedivy
Erstausstrahlung 17. September 2026 auf SRF 1
Länge rund 50 Minuten
Online ansehen bei Play SRF

Worum geht es in „Baby unverpackt – Weniger Windeln, weniger Probleme?“

Die SRF Dokumentation hinterfragt die in westlichen Ländern weit verbreitete Vorstellung, dass Babys und Kleinkinder selbstverständlich über Jahre Windeln tragen.

Im Mittelpunkt steht eine Alternative, die bei uns meist als Abhalten, Windelfrei oder Ausscheidungskommunikation bezeichnet wird.

Die Grundidee:

Babys müssen ihre Ausscheidungen nicht zwangsläufig ausschließlich in eine Windel machen.

Eltern können beobachten, wann ihr Baby wahrscheinlich Pipi oder Stuhlgang muss, und ihm in solchen Momenten ermöglichen, außerhalb der Windel auszuscheiden.

Der Film begleitet eine Familie, die diesen Weg geht, und zeigt Rita Messmer bei ihrer Arbeit.

Gleichzeitig erweitert die Dokumentation den Blick über den einzelnen Familienalltag hinaus.

Sie beschäftigt sich unter anderem mit:

  • der Frage, ob Babys Ausscheidungsbedürfnisse signalisieren,
  • Abhalten als Alternative oder Ergänzung zur Windel,
  • der Rolle von Windeln beim Trockenwerden,
  • dem zunehmenden Gebrauch von Wegwerfwindeln in China,
  • gesundheitlichen Fragen rund um Ausscheidungsentwicklung, Verstopfung und Inkontinenz,
  • den ökologischen Folgen von Wegwerfwindeln, unter anderem in Tansania,
  • und der Frage, wie realistisch ein bewussterer Umgang mit Windeln im modernen Familienalltag ist.

Damit ist „Baby unverpackt“ weder nur ein Film über Windelfrei noch nur eine Umweltdokumentation.

Die größere Frage lautet:

Wie selbstverständlich ist unsere heutige Windelkultur eigentlich?

Können Babys wirklich zeigen, wann sie müssen?

Eine der zentralen Ideen der Dokumentation lautet, dass Babys rund um ihre Ausscheidungen kommunizieren können.

Das klingt für Eltern, die Abhalten noch nicht kennen, zunächst ungewöhnlich.

Dabei kommunizieren Babys natürlich lange bevor sie sprechen können.

Wir versuchen zu erkennen:

  • wann sie Hunger haben,
  • wann sie müde werden,
  • wann ihnen etwas zu viel wird,
  • wann sie Nähe brauchen,
  • oder wann sie sich unwohl fühlen.

Die interessante Frage ist also weniger, ob Babys kommunizieren.

Spannender ist, ob Erwachsene auch rund um Pipi und Stuhlgang wiederkehrende Verhaltensweisen oder Zeitpunkte erkennen können.

Welche Signale können Eltern beobachten?

Eltern, die Abhalten praktizieren, beobachten beispielsweise:

  • plötzliche Unruhe,
  • bestimmte Laute,
  • Drücken oder Grunzen,
  • veränderte Körperspannung,
  • Bewegungen der Beine,
  • kurzes Innehalten,
  • einen bestimmten Gesichtsausdruck,
  • oder Unruhe beim Stillen.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen mit Familien, die assistiertes frühes Toilettieren praktizieren, zeigen, dass viele Eltern angeben, wiederkehrende Ausscheidungssignale ihrer Babys wahrnehmen zu können.

Das bedeutet aber nicht, dass jedes Baby ein eindeutiges universelles „Ich muss Pipi“ Signal besitzt, das Eltern nur lernen müssten.

Babys unterscheiden sich.

Manche Signale sind deutlich.

Andere kaum erkennbar.

Und manchmal gibt es überhaupt kein Signal, das Eltern zuverlässig wahrnehmen können.

Abhalten funktioniert deshalb nicht nur über Signale.

Manchmal ist Timing einfacher als ein Signal

Viele Familien entdecken Abhalten gar nicht dadurch, dass sie ein bestimmtes Signal entschlüsseln.

Sie stellen vielmehr fest:

Mein Baby pinkelt erstaunlich oft in ähnlichen Situationen.

Typische Momente können sein:

  • direkt nach dem Aufwachen,
  • beim Öffnen der Windel,
  • während oder nach dem Stillen,
  • nach einer längeren Ruhephase,
  • vor oder während des Stuhlgangs.

Vielleicht zeigt dein Baby zusätzlich ein Signal.

Vielleicht auch nicht.

Beides ist völlig in Ordnung.

Wenn du mehr darüber wissen möchtest, findest du hier unseren ausführlichen Artikel: Timing, Signale oder Intuition – was funktioniert beim Abhalten?

Außerdem haben wir typische Veränderungen nach Alter zusammengefasst: Abhalten bei Babys: Signale erkennen nach Alter.

Was bedeutet Abhalten eigentlich?

Beim Abhalten geben Eltern ihrem Baby die Möglichkeit, Pipi oder Stuhlgang außerhalb der Windel auszuscheiden – zum Beispiel über einem kleinen Töpfchen, Waschbecken, einer Schüssel oder der Toilette.

Bei kleinen Babys wird der Körper dabei sicher unterstützt.

Abhalten ist nicht dasselbe wie klassisches Toilettentraining.

Ein Säugling soll nicht lernen:

„Du musst jetzt einhalten, bis du auf der Toilette sitzt.“

Stattdessen passiert etwas wesentlich Einfacheres:

Der Erwachsene beobachtet oder nutzt einen günstigen Moment und bietet dem Baby eine andere Möglichkeit zum Ausscheiden an.

Kommt etwas: schön.

Kommt nichts: auch gut.

Mehr über die Grundlagen findest du in unserem ausführlichen Ratgeber Baby abhalten: Was bedeutet Abhalten und wie funktioniert Windelfrei?.

Windelfrei bedeutet nicht „keine Windel“

Hier entsteht wahrscheinlich eines der größten Missverständnisse rund um das Thema.

Windelfrei bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Baby überhaupt keine Windel tragen darf.

Auch in der SRF Dokumentation spielt die Windel weiterhin eine Rolle – eher als Sicherheit beziehungsweise Backup.

Genau dieser Gedanke entspricht auch unserem Ansatz bei Mata Origin.

Zwischen:

„Mein Baby trägt rund um die Uhr eine Windel und scheidet ausschließlich dort hinein aus.“

und:

„Mein Baby darf niemals eine Windel tragen.“

liegt ein sehr großer Raum.

Eine Familie kann beispielsweise:

  • morgens nach dem Aufwachen abhalten,
  • den Stuhlgang anbieten, wenn er erkennbar ist,
  • tagsüber eine Windel als Backup verwenden,
  • unterwegs ganz normal wickeln,
  • nachts eine Windel nutzen,
  • und an stressigen Tagen überhaupt nicht abhalten.

Auch das ist Abhalten & Windelfrei.

Es muss kein Alles oder Nichts geben.

Mehr dazu findest du in unserem Artikel Windelfrei mit Backup.

Was wir heute für selbstverständlich halten, war es nicht immer

Einer der spannendsten Gedanken in „Baby unverpackt“ ist der Blick auf unterschiedliche Kulturen.

Für viele Eltern in Deutschland, Österreich oder der Schweiz erscheint es vollkommen selbstverständlich:

Baby wird geboren → Baby bekommt eine Windel → Windeln bleiben mehrere Jahre Teil des Alltags → irgendwann beginnt Toilettentraining.

Doch diese Abfolge ist keine biologische Notwendigkeit.

Sie ist auch Ergebnis unserer Kultur, unserer Lebensweise und der verfügbaren Produkte.

Die Dokumentation zeigt, wie sich die Nutzung von Wegwerfwindeln auch in Regionen ausbreitet, in denen andere Formen des Umgangs mit kindlichen Ausscheidungen lange verbreitet waren.

Besonders China und Tansania spielen im Film dabei eine wichtige Rolle.

Auch wissenschaftliche Veröffentlichungen beschreiben assistiertes frühes Toilettieren beziehungsweise Elimination Communication in verschiedenen kulturellen Kontexten.

Das bedeutet nicht:

„Früher war alles besser.“

Und es bedeutet auch nicht:

„Andere Kulturen machen es richtig und wir falsch.“

Es zeigt lediglich etwas Wichtiges:

Die Art, wie wir mit den Ausscheidungen von Babys umgehen, ist veränderbar.

Die Wegwerfwindel ist praktisch – aber nicht alternativlos

Wegwerfwindeln haben den Familienalltag enorm vereinfacht.

Sie:

  • saugen große Flüssigkeitsmengen auf,
  • halten Kleidung häufig trocken,
  • sind unterwegs unkompliziert,
  • und geben Eltern Sicherheit.

Das sollte man nicht kleinreden.

Gleichzeitig entsteht durch diese Bequemlichkeit leicht der Eindruck, eine Windel sei die einzige denkbare Lösung für die Ausscheidungen eines Babys.

Genau diese Selbstverständlichkeit stellt die Dokumentation infrage.

Nicht mit der Botschaft:

„Windeln sind schlecht.“

Sondern mit einer interessanteren Frage:

„Muss wirklich jede Ausscheidung eines Babys mehrere Jahre lang in einer Windel landen?“

Wie viele Wegwerfwindeln verbraucht ein Kind?

Im Zusammenhang mit „Baby unverpackt“ nennt SRF eine eindrückliche Größenordnung:

Rund 5.000 Windeln und etwa eine Tonne Abfall pro Kind bis zum Trockenwerden.

Solche Zahlen sind hilfreich, um die Größenordnung sichtbar zu machen.

Sie sind aber keine feste Zahl, die auf jedes einzelne Kind zutrifft.

Wie viele Einwegwindeln tatsächlich verwendet werden, hängt unter anderem davon ab:

  • wie häufig gewickelt wird,
  • wie lange Windeln verwendet werden,
  • ob Stoffwindeln genutzt werden,
  • ob verschiedene Systeme kombiniert werden,
  • und ob Ausscheidungen teilweise abgehalten werden.

Ein Baby, das durchschnittlich fünf Windeln am Tag verwendet, benötigt beispielsweise bereits 1.825 Windeln pro Jahr.

Bei acht Windeln täglich wären es rechnerisch 2.920 Windeln.

Gerade Neugeborene brauchen anfangs häufig noch deutlich mehr Windelwechsel als ältere Babys.

Auch Studien und Ökobilanzmodelle verwenden je nach Annahmen unterschiedliche Gesamtzahlen. Die häufig genannten 5.000 Windeln sind deshalb eine anschauliche Größenordnung – keine individuelle Sollzahl.

Wie sich der Verbrauch über die Babyzeit entwickelt, erklären wir ausführlich hier: Wie viele Windeln braucht ein Baby pro Tag?

Windeln sind nicht nur eine Kostenfrage

Einwegwindeln müssen hergestellt, verpackt, transportiert und nach Gebrauch entsorgt werden.

Das Umweltbundesamt beschreibt gebrauchte Einwegwindeln als einen erheblichen Abfallstrom. Für Deutschland werden Größenordnungen von mehreren Millionen verbrauchten Windeln täglich genannt.

Der einzelne Windelwechsel wirkt klein.

Millionen Windelwechsel jeden Tag ergeben allerdings einen erheblichen Material und Abfallstrom.

Die SRF Dokumentation zeigt diese Perspektive unter anderem in Tansania, wo die zunehmende Verbreitung von Wegwerfwindeln auch neue Abfallprobleme schafft.

Auch hier finden wir eine undogmatische Perspektive hilfreicher als Schuldgefühle.

Eltern benutzen Windeln nicht, um Müll zu produzieren.

Sie benutzen Windeln, weil sie im Alltag praktisch sind.

Die interessante Frage lautet deshalb:

Gibt es Situationen, in denen wir vielleicht gar keine neue Einwegwindel benötigen?

Wenn dich auch die Kosten interessieren, kannst du mit unserem Windelkosten Rechner verschiedene Szenarien durchspielen.

Einwegwindeln, Stoffwindeln oder Abhalten?

Auch hier muss es keine ideologische Entscheidung geben.

Eine Familie kann ausschließlich Einwegwindeln benutzen.

Eine andere Stoffwindeln.

Eine dritte hält ihr Baby ab und verwendet trotzdem Einwegwindeln.

Und wieder eine andere kombiniert:

Abhalten + Stoff + Einwegwindel für die Nacht.

Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von Familie, Alltag, Kind, Zeit und persönlichen Prioritäten ab.

Unseren ausführlichen Vergleich findest du hier: Wegwerfwindeln, Stoffwindeln oder Windelfrei?

Was sagt „Baby unverpackt“ über Verstopfung und Inkontinenz?

An diesem Punkt wird die Dokumentation medizinisch besonders interessant – und hier ist eine sorgfältige Einordnung wichtig.

SRF beschreibt im Zusammenhang mit China Kinderärzte, die einen Zusammenhang zwischen starkem beziehungsweise langem Windelgebrauch und Ausscheidungsproblemen wie Verstopfung und Inkontinenz beobachten.

Auch wissenschaftliche Beobachtungsstudien haben Zusammenhänge zwischen einem späteren Beginn von Elimination Communication beziehungsweise längerem Windelgebrauch und bestimmten Blasen oder Darmproblemen gefunden.

Aber: Ein Zusammenhang ist noch kein Beweis für Ursache und Wirkung.

Wenn Kinder, die länger Windeln tragen, statistisch häufiger ein bestimmtes Problem zeigen, kann daraus allein noch nicht geschlossen werden:

„Die Windel hat dieses Problem verursacht.“

Andere Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen.

Was sagt die Forschung zu frühem Abhalten und Ausscheidungsgesundheit?

Die wissenschaftliche Datenlage ist interessant, aber noch nicht stark genug für große Gesundheitsversprechen.

Eine internationale Übersichtsarbeit zu assistiertem frühem Toilettieren fand mehrere Beobachtungsstudien, in denen frühes Abhalten mit weniger Blasen oder Darmproblemen verbunden war.

Die Autorinnen und Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die vorhandene Evidenz teilweise ein erhebliches Verzerrungsrisiko aufweist und weitere gute prospektive Forschung notwendig ist.

Besonders interessant ist deshalb eine 2026 veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie.

Dort wurden 271 Säuglinge entweder einer Gruppe mit frühem assistiertem Toilettieren oder einer Kontrollgruppe zugeteilt.

Bis zum Alter von neun Monaten fand sich kein statistisch bedeutsamer Unterschied in der Gesamtprävalenz funktioneller Magen Darm Beschwerden wie Säuglingskolik, infantiler Dyschezie oder funktioneller Verstopfung.

Das bedeutet nicht, dass Abhalten wirkungslos ist.

Es bedeutet aber:

Wir sollten derzeit nicht behaupten, dass Abhalten nachweislich Verstopfung verhindert oder Wegwerfwindeln solche Beschwerden verursachen.

Genau diese Unterscheidung ist uns bei Mata Origin wichtig.

Abhalten ist keine medizinische Therapie

Abhalten kann für Familien eine Form der Kommunikation und eine praktische Möglichkeit sein, Ausscheidungen außerhalb der Windel anzubieten.

Es ist aber keine medizinische Therapie gegen:

  • Verstopfung,
  • Koliken,
  • Inkontinenz,
  • Blasenprobleme
  • oder andere Erkrankungen.

Wenn dein Baby oder Kind Probleme mit Stuhlgang, Wasserlassen oder Ausscheidungen hat, sollten diese unabhängig davon medizinisch eingeordnet werden.

Das schließt nicht aus, dass ein Baby eine bestimmte Haltung beim Ausscheiden angenehm findet oder Eltern mit Abhalten gute Erfahrungen machen.

Es trennt lediglich Erfahrung und Beobachtung von einem medizinischen Wirksamkeitsnachweis.

Was bedeutet das für die zentrale Idee der Dokumentation?

Für uns wird die Idee dadurch nicht weniger spannend.

Denn Abhalten muss gar kein Gesundheitsversprechen sein.

Man kann schon einen Schritt früher anfangen:

Vielleicht sind Ausscheidungen ein Teil der Kommunikation zwischen Baby und Bezugsperson.

Vielleicht lohnt es sich, überhaupt wieder darauf zu achten.

Und vielleicht ist die Windel nicht die einzige mögliche Antwort.

Babys kommunizieren von Anfang an – auch rund um Ausscheidungen

Ein Baby sagt nicht:

„Entschuldigung, ich müsste in ungefähr 30 Sekunden urinieren.“

Natürlich nicht.

Aber es kommuniziert ständig.

Mit:

  • Körperspannung,
  • Bewegung,
  • Mimik,
  • Lauten,
  • Weinen,
  • Ruhe
  • und wiederkehrenden Verhaltensmustern.

Beim Abhalten geht es nicht darum, aus jedem Zucken eine Botschaft zu machen.

Es geht darum, neugierig zu beobachten.

Manchmal erkennt man ein Signal.

Manchmal erkennt man nur einen günstigen Zeitpunkt.

Und manchmal erkennt man gar nichts.

Das ist alles okay.

Was können Eltern aus „Baby unverpackt“ für ihren Alltag mitnehmen?

Du musst nach der Dokumentation nicht sämtliche Windeln aus dem Haus werfen.

Vielleicht reicht es, fünf Gedanken mitzunehmen.

1. Ausscheidungen überhaupt wahrnehmen

Versuche einmal zu beobachten, wann dein Baby normalerweise pinkelt oder Stuhlgang hat.

Nicht mit Stoppuhr.

Einfach neugierig.

2. Auf wiederkehrende Situationen achten

Vielleicht passiert besonders häufig etwas:

  • nach dem Aufwachen,
  • beim Wickeln,
  • nach dem Stillen,
  • oder bevor dein Baby Stuhlgang hat.

3. Nicht auf das perfekte Signal warten

Du musst dein Baby nicht perfekt „lesen können“, bevor du Abhalten ausprobieren darfst.

Timing reicht häufig vollkommen aus.

4. Die Windel darf bleiben

Sie kann Backup sein.

Sie kann nachts Sicherheit geben.

Sie kann unterwegs praktisch sein.

Abhalten und Windel schließen sich nicht gegenseitig aus.

5. Erfolg nicht in trockenen Windeln messen

Wenn du deinem Baby eine Gelegenheit zum Ausscheiden angeboten hast und nichts kommt, ist nichts schiefgelaufen.

Abhalten muss kein Trainingsprogramm werden.

Abhalten ganz entspannt ausprobieren

Wenn die Dokumentation dich neugierig gemacht hat, brauchst du zunächst keine besondere Ausrüstung.

Probiere einfach einen einzigen günstigen Moment.

Zum Beispiel morgen nach dem Aufwachen.

Oder beim nächsten Windelwechsel.

Du öffnest die Windel und gibst deinem Baby kurz Gelegenheit auszuscheiden.

Bei einem kleinen Baby hältst du Kopf, Nacken und Körper selbstverständlich sicher.

Dann passiert eines von zwei Dingen:

Dein Baby macht Pipi oder Stuhlgang.

Interessant.

Oder:

Es passiert überhaupt nichts.

Dann ziehst du die Windel wieder an.

Fertig.

Kein Training.

Kein Scheitern.

Kein Ziel, das dein Baby erreichen muss.

Kann man schon ein Neugeborenes abhalten?

Ja, Abhalten kann grundsätzlich schon bei einem Neugeborenen angeboten werden.

Dabei geht es nicht darum, dass ein Neugeborenes Blase oder Darm bewusst kontrollieren soll.

Der Erwachsene übernimmt die Unterstützung und bietet in einer passenden Situation eine Ausscheidungsmöglichkeit an.

Wenn dich dieser frühe Einstieg interessiert, lies hier weiter: Neugeborenes abhalten: So startest du sanft ab Geburt.

Und wenn Abhalten nur einmal am Tag klappt?

Dann ist es eben einmal am Tag.

Vielleicht passt morgens gut.

Vielleicht nur der Stuhlgang.

Vielleicht funktioniert es eine Woche hervorragend und anschließend plötzlich überhaupt nicht.

Babys entwickeln sich.

Familienalltag verändert sich.

Abhalten muss sich daran anpassen dürfen.

Wir finden deshalb einen undogmatischen Ansatz hilfreicher als eine Vorstellung von „richtigem Windelfrei“.

Braucht man für Abhalten spezielle Kleidung oder Windeln?

Am Anfang nicht.

Du kannst Abhalten mit ganz normaler Babykleidung und jeder Form von Backup ausprobieren.

Wenn du merkst, dass Abhalten gut in euren Alltag passt, kann Kleidung praktisch werden, bei der du schnell an den Windelbereich kommst.

Dafür gibt es beispielsweise Abhaltehosen oder Abhaltewindeln.

Sie sind Hilfsmittel.

Keine Voraussetzung.

Was uns an „Baby unverpackt“ besonders gefällt

Nicht jede These der Dokumentation muss man übernehmen, um ihre zentrale Frage wertvoll zu finden.

Der Film lenkt den Blick auf etwas, das im normalen Babyalltag fast unsichtbar geworden ist:

die Ausscheidung selbst.

Wir beschäftigen uns mit:

  • Windelgrößen,
  • Saugstärken,
  • Auslaufen,
  • Windelmarken,
  • Windeleimern,
  • Wundschutzcremes
  • und dem richtigen Zeitpunkt zum Windelwechsel.

Aber die Frage:

„Wann muss mein Baby eigentlich?“

stellen viele Eltern zunächst überhaupt nicht.

Vielleicht ist genau das der spannendste Perspektivwechsel.

Was die SRF Doku nicht bedeuten sollte

Aus unserer Sicht sollte „Baby unverpackt“ nicht zu einer neuen Form von Druck führen.

Die Dokumentation bedeutet nicht:

  • dass gute Eltern keine Windeln benutzen,
  • dass jedes Baby eindeutige Ausscheidungssignale zeigen muss,
  • dass du jedes Signal erkennen solltest,
  • dass eine volle Windel ein Misserfolg ist,
  • dass Wegwerfwindeln grundsätzlich schlecht sind,
  • oder dass Abhalten nachweislich vor Erkrankungen schützt.

Wir würden etwas anderes daraus mitnehmen:

Wir dürfen die Vorstellung hinterfragen, dass die Windel automatisch die einzige Antwort auf jede Ausscheidung eines Babys sein muss.

Wo kann man „Baby unverpackt“ ansehen?

Die Dokumentation „Baby unverpackt – Weniger Windeln, weniger Probleme?“ von Isabella Sedivy wurde am 17. September 2026 auf SRF 1 ausgestrahlt.

Der rund 50 Minuten lange Film ist bei Play SRF verfügbar.

Wenn du bisher noch nie etwas von Abhalten oder Ausscheidungskommunikation gehört hast, ist die Dokumentation ein spannender Einstieg in eine Perspektive auf Baby Ausscheidungen, die im deutschsprachigen Familienalltag noch vergleichsweise wenig bekannt ist.

Du möchtest Abhalten selbst kennenlernen?

Du musst nach dem Film weder ein komplettes System lernen noch sofort etwas kaufen.

Wenn Abhalten neu für dich ist, kannst du zuerst unsere Übersichtsseite Abhalten ist neu für dich? lesen.

Oder du holst dir unseren kostenlosen Startguide für Abhalten & Windelfrei.

Darin geht es genau um den Einstieg, den wir auch Familien empfehlen würden, die durch „Baby unverpackt“ neugierig geworden sind:

beobachten, anbieten und schauen, was zu euch passt.

Häufige Fragen zu „Baby unverpackt“, Windelfrei und Abhalten

Was ist „Baby unverpackt – Weniger Windeln, weniger Probleme?“?

„Baby unverpackt – Weniger Windeln, weniger Probleme?“ ist eine SRF Dokumentation von Isabella Sedivy. Sie wurde am 17. September 2026 auf SRF 1 ausgestrahlt und beschäftigt sich mit Abhalten, Windelkultur, Wegwerfwindeln, Ausscheidungsentwicklung sowie den ökologischen Folgen des Windelverbrauchs.

Wer hat die Dokumentation „Baby unverpackt“ gemacht?

Der Film stammt von Isabella Sedivy. Nach eigenen Angaben beschäftigte sie sich rund fünf Jahre mit dem Projekt. Eine zentrale Rolle in der Dokumentation spielt die Entwicklungspädagogin Rita Messmer.

Wo kann man „Baby unverpackt“ ansehen?

Die Dokumentation ist bei Play SRF verfügbar. Sie wurde am 17. September 2026 auf SRF 1 ausgestrahlt und dauert rund 50 Minuten.

Was bedeutet Abhalten bei Babys?

Beim Abhalten geben Eltern ihrem Baby die Möglichkeit, Pipi oder Stuhlgang außerhalb der Windel auszuscheiden. Dazu wird das Baby sicher über einem geeigneten Gefäß gehalten. Eltern können dabei Signale, typische Zeitpunkte oder ihre Erfahrung nutzen.

Ist Abhalten dasselbe wie Toilettentraining?

Nein. Beim Abhalten eines Säuglings geht es nicht darum, dass das Baby Blase oder Darm bewusst kontrolliert oder Ausscheidungen zurückhält. Der Erwachsene beobachtet beziehungsweise nutzt günstige Momente und unterstützt das Baby beim Ausscheiden.

Können Neugeborene schon zeigen, dass sie Pipi oder Stuhlgang müssen?

Eltern, die Abhalten praktizieren, berichten häufig von wiederkehrenden Signalen oder Verhaltensmustern. Auch Studien mit Familien, die assistiertes frühes Toilettieren praktizieren, zeigen, dass viele Eltern solche Signale wahrnehmen. Es gibt aber kein universelles Signal, das jedes Baby eindeutig zeigt. Abhalten kann deshalb auch über typische Zeitpunkte funktionieren.

Muss man bei Windelfrei komplett auf Windeln verzichten?

Nein. Eine Windel kann weiterhin als Backup verwendet werden. Viele Familien halten nur in bestimmten Situationen ab und verwenden ansonsten Windeln. Windelfrei muss kein Alles oder Nichts Konzept sein.

Wie viele Wegwerfwindeln verbraucht ein Kind?

SRF nennt im Zusammenhang mit der Dokumentation eine Größenordnung von rund 5.000 Windeln bis zum Trockenwerden. Der tatsächliche Verbrauch unterscheidet sich jedoch von Kind zu Kind und hängt unter anderem von Wickelhäufigkeit, Dauer der Windelzeit und verwendetem Windelsystem ab.

Verursachen Wegwerfwindeln Verstopfung oder Inkontinenz?

Das lässt sich nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht pauschal behaupten. Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge zwischen später Ausscheidungskommunikation beziehungsweise längerem Windelgebrauch und bestimmten Ausscheidungsproblemen. Solche Studien beweisen jedoch keine Ursache.

Verhindert Abhalten Verstopfung?

Dafür gibt es derzeit keinen ausreichenden wissenschaftlichen Nachweis. Eine 2026 veröffentlichte randomisierte Studie fand bis zum Alter von neun Monaten keinen Unterschied in der Gesamtprävalenz funktioneller Magen Darm Beschwerden zwischen Babys mit frühem assistiertem Toilettieren und einer Kontrollgruppe. Abhalten sollte deshalb nicht als Behandlung oder sichere Vorbeugung gegen Verstopfung beworben werden.

Ab wann kann man mit Abhalten beginnen?

Abhalten kann grundsätzlich von Geburt an angeboten werden. Bei Neugeborenen müssen Kopf, Nacken und Körper sicher unterstützt werden. Ein späterer Einstieg ist ebenso möglich – es gibt keinen Zeitpunkt, an dem eine Familie „zu spät“ wäre, Abhalten kennenzulernen.

Braucht man für Abhalten spezielle Produkte?

Nein. Für erste Versuche brauchst du keine besondere Ausstattung. Ein geeignetes Gefäß beziehungsweise Waschbecken oder Toilette genügt. Spezielle Abhaltewindeln, Einlagen oder Abhaltehosen können den Alltag später erleichtern, wenn Abhalten gut zu euch passt.

Fazit: Vielleicht lohnt es sich, die Windel einmal anders zu betrachten

„Baby unverpackt – Weniger Windeln, weniger Probleme?“ stellt eine ungewöhnlich grundlegende Frage:

Müssen wir Ausscheidungen bei Babys eigentlich genau so organisieren, wie wir es heute gewohnt sind?

Die Dokumentation zeigt Familien, Fachpersonen und andere kulturelle Perspektiven, die darauf unterschiedliche Antworten geben.

Einige gesundheitliche Thesen des Films sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt und sollten deshalb nicht zu Gesundheitsversprechen gemacht werden.

Aber dafür braucht es sie auch gar nicht.

Schon die einfachere Erkenntnis ist spannend:

Babys kommunizieren von Anfang an.

Vielleicht gehören Pipi und Stuhlgang manchmal ebenfalls zu den Dingen, die wir wahrnehmen können.

Und wenn wir einen passenden Moment erkennen, können wir unserem Baby anbieten, außerhalb der Windel auszuscheiden.

Nicht immer.

Nicht perfekt.

Nicht als Wettbewerb.

Und nicht mit dem Anspruch, überhaupt keine Windel mehr zu verwenden.

Vielleicht nur einmal am Morgen.

Vielleicht beim Stuhlgang.

Vielleicht beim Wickeln.

Beobachten. Anbieten. Miteinander kommunizieren.

Genau darin liegt für uns die spannendste Idee hinter Abhalten & Windelfrei.

Wenn du es selbst ausprobieren möchtest, findest du in unserem kostenlosen Startguide für Abhalten & Windelfrei einen entspannten Einstieg.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Einordnung der Dokumentation und ersetzt keine medizinische Beratung. Abhalten ist keine Behandlung von Verstopfung, Inkontinenz oder anderen Erkrankungen. Bei Beschwerden rund um Wasserlassen oder Stuhlgang wende dich bitte an deine Hebamme oder kinderärztliche Praxis.

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ZUM EINSTIEGSGUIDE

Häufige Fragen zum Abhalten

Viele Eltern haben am Anfang ähnliche Fragen. Hier findest du die wichtigsten Antworten auf einen Blick.

Ab wann kann ich mit dem Abhalten beginnen?

Du kannst ab dem ersten Tag starten. Viele Eltern beginnen direkt nach der Geburt – andere erst Wochen oder Monate später. Beides ist völlig in Ordnung. Dein Baby bringt die Fähigkeit von Anfang an mit.

Muss ich komplett auf Windeln verzichten?

Nein. Abhalten bedeutet nicht, dass du keine Windeln mehr benutzt. Viele Familien kombinieren beides ganz entspannt. Es geht nicht um Perfektion, sondern um Kommunikation mit deinem Baby.

Was, wenn ich die Signale meines Babys nicht erkenne?

Das ist am Anfang ganz normal. Mit der Zeit wirst du dein Baby immer besser verstehen. Du kannst zusätzlich feste Zeitpunkte nutzen, zum Beispiel nach dem Schlafen oder Stillen.

Ist Abhalten nicht stressig im Alltag?

Viele Eltern empfinden eher das Gegenteil. Weniger volle Windeln, weniger Stress beim Wickeln – und oft eine ruhigere, klarere Kommunikation mit dem Baby.

Funktioniert Abhalten auch nachts?

Ja, das ist möglich. Viele Babys melden sich auch nachts. Wichtig ist, dass du einen Weg findest, der für euch beide entspannt ist. Es muss nicht perfekt sein – jeder kleine Schritt zählt.

Was mache ich, wenn es nicht klappt?

Dann ist das völlig in Ordnung. Abhalten ist kein Alles-oder-nichts-Konzept. Du kannst jederzeit pausieren und später wieder einsteigen. Jeder Versuch ist ein Schritt nach vorn.

Was hilft mir beim Einstieg am meisten?

Am wichtigsten ist Vertrauen in dich und dein Baby. Und manchmal helfen kleine, durchdachte Dinge, die den Alltag einfacher machen – zum Beispiel Kleidung, die sich schnell öffnen lässt oder eine passende Abhaltewindel.

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